Wozu brauchen wir Technik?

Der Antwort auf die Frage, ob wir Technik brauchen, geht eine weitere Frage voraus – nämlich: Wofür?

Zum reinen Überleben brauchen wir Technik sicherlich nicht, sonst wären wir nicht hier. Aber wie sieht es mit dem Leben selbst aus? Ich möchte jetzt nicht die Diskussion darüber eröffnen was Leben ist und was es ausmacht. Statt dessen möchte ich versuchen, zu beschreiben, was ich unter Leben in einem weiteren als dem rein existenziellen Sinne verstehe und wie sich Technik im Zusammenhang damit als nützlich erweisen kann.

Leben, so wie ich es als Bewohner eines Erste-Welt-Landes verstehen darf, bedeutet zunächst einmal, dass ich mich nicht mehr vorrangig um meine Unversehrtheit, Nahrung und/oder Unterkunft kümmern muss. Statt dessen kann ich mir meine Zeit in Arbeitszeit (deren Entlohnung mir Zugang zu Nahrung und Unterkunft ermöglicht) und Freizeit einteilen. Was ich in meiner Freizeit mache, ist weitgehend mir selbst überlassen. Ich persönlich bin jemand, der gerne liest, lernt und nachdenkt, Rad fährt, wandert und träumt. Ich möchte mich persönlich weiter entwickeln und an der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft teilhaben. Wenn ich mit jedem Geburtstag tatsächlich nur ein weiteres Jahr älter wäre, hätte das nichts mit dem zu tun, was ich unter Leben verstehe.

Nun braucht man weder zum lesen, lernen, nachdenken, noch zum Rad fahren, wandern, träumen vordergründig Technik. Und dennoch leistet sie gleich zweierlei im Zusammenhang mit unserer Freizeit. Zum einen ermöglicht Technik uns unsere freie Zeit überhaupt erst oder zumindest einen Teil davon: Anstatt heizen zu müssen, können wir die Heizung anstellen, anstatt die Wäsche oder das Geschirr von Hand waschen oder spülen zu müssen, können wir eine entsprechende Maschine verwenden. Für die meisten Menschen, die das Glück haben in einem Land der Ersten Welt zu leben, ist das mehr oder weniger selbstverständlich. Tatsächlich aber ist es Wohlstand und zwar Wohlstand, der unsere Freizeit vermehrt (Quantität). Zum anderen ermöglicht uns Technik heutzutage einen nahezu unbegrenzten Zugang zu digitalen Medien wie beispielsweise eBooks und Online-Zeitschriften. Auch etwas, dass zum Glück für viele bereits selbstverständlich ist. Wieder ist es auch Wohlstand und zwar Wohlstand, der unsere Freizeit verbessert (Qualität).

Technik erhöht also sowohl die Quantität als auch die Qualität unserer freien Zeit durch die Bereitstellung von Zeit und Ressourcen. Verpflichtet uns das nicht dazu, darüber nachzudenken, was wir über unser eigenes Wohlergehen hinaus für unsere Mitmenschen und unsere Umwelt tun können?