Was weiß Google alles über dich?

Bevor du anfängst, dein Smartphone (oder ein ähnliches Gerät) und am besten gleich deinen ganzen Lebensstil zu entgooglen, solltest du dir ruhig noch einmal einen Überblick darüber verschaffen, was Google eigentlich alles über dich weiß – natürlich nur so weit wie Google dich lässt. Gehe dazu beispielsweise auf google.de und melde dich oben rechts unter Anmeldung an. Klicke an der gleichen Stelle auf das Icon (vermutlich mit dem ersten Buchstaben deines Vornamens) und dann auf Google-Konto.

Die Menüführung ist intuitiv und benutzerfreundlich. Halte dir immer vor Augen: Dir wird nur suggeriert, dass du hier die Kontrolle hättest, letztendlich steht aber jede Information, die du hier abrufen kannst, auch Google zur Verfügung und darüber hinaus wahrscheinlich noch sehr viel mehr. Je nachdem wie (un-)umsichtig du beim Umgang mit deinem Google-Konto und den zahlreichen Google-Anwendungen warst, ist das mehr oder weniger viel. Wer sich gerne mal fühlen möchte wie George Orwells Winston Smith aus “1984” oder das beklemmende Gefühl beim Lesen von Dave Eggers’ “The Circle” wiedererwecken möchte, der ist hier richtig.

Unter Anmeldung und Sicherheit, kannst Du Geräteaktivitäten & Sicherheitsereignisse, dann Geräte überprüfen und schließlich ein Gerät auswählen. Mit dem simplen Vorgang des Einloggens erhält Google bereits acht für den Nutzer einsehbare Informationen (s. Screenshot).

In dem Screenshot sind also theoretisch acht Informationen über das Gerät aufgeführt, auf dem ich zum Zeitpunkt des Screenshots mit meinem Google-Konto angemeldet war:

    • Art des Gerätes (hier angegeben als PC, bei einem Smartphone werden auch noch Hersteller und Modell ausgegeben)
    • Betriebssystem (hier angegeben als Windows)
    • zur Anmeldung verwendeter Browser (hier angegeben als Firefox)
    • Versionsnummer des zur Anmeldung verwendeten Browsers (hier angegeben als 60.0)
    • Standort bei der Anmeldung (hier angegeben als Moldawien)
    • vergangene Zeit seit der Anmeldung (hier angegeben als “gerade eben”)
    • letzter verwendeter Standort (hier angegeben als Moldawien)
    • vergangene Zeit seit letztem verwendeten Standort (hier angegeben als “vor 19 Minuten”)

Dank Orbot und Tor-Browser, mit dem sich solche und ähnliche Daten effizient verschleiern lassen, sind die einzigen korrekten Informationen die Art des Gerätes und die beiden Zeitfenster. (In einem anderen Beitrag beschreibe ich kurz, wie man den Tor-Browser auf dem PC bzw. dem Smartphone installiert und einrichtet.)

Ebenso spannend dürfte ein Blick auf die Aktivitäten unter Persönliche Daten und Privatsphäre – allein die Bezeichnung ist ein Witz, aber schön suggestiv – sein (dazu einfach Meine Aktivitäten ansehen aufrufen). Hier findet sich ggf. und beispielsweise schön nach Datum und Produkt geordnet ein Verlauf (mit Uhrzeit und verwendetem Gerät) von  Folgendem (hier werden natürlich nur Aktivitäten zu meinem Konto aufgelistet, bei dir können es weniger oder mehr sein):

    • Anzeigen: Aktivitäten, die in deinem Google-Konto gespeichert wurden, weil die Einstellung zu Web- und App-Aktivitäten bei der Verwendung von Anzeigen aktiviert war (bezieht sich auf die Einstellungen unter Persönliche Daten und Privatsphäre > Aktivitätseinstellungen aufrufen)
    • Bildersuche: nach welchen Bildern du mit der Google-Suchmaschine gesucht hast
    • Chrome: wozu du den Chrome Browser verwendest hast
    • Google Play Bücher / Google Play Filme und Serien / Google Play Spiele / Google Play Store: was du in den Google Stores gesucht, aufgerufen und/ oder verwendet hast
    • Hilfe: welche Google-Hilf-Seiten du besucht hast
    • Maps: welche Orte du dir hast anzeigen lassen
    • Play Musik: was du dir angehört hast
    • Suche: was du mit der Google-Suchmaschine gesucht hast
    • YouTube: was du dir auf YouTube angeschaut hast

Direkt unter Persönliche Daten und Privatsphäre > Aktivitätseinstellungen aufrufen befindet sich Deine Zeitachse in Google Maps, also deine Standort-Angaben.

Und unter Persönliche Daten und Privatsphäre > Google Dashboard  findest du Daten, die deine Aktivitäten wie Suchanfragen und von dir erstellte Inhalte wie E-Mails, Kontakte und Termine, aber auch Play Store Käufe und Google-Drive Daten enthalten.  Hier gibt es auch den verlockenden Link Daten herunterladen. Wer glaubt, er könne mit dieser Methode die Inhalte der Google Apps sichern, liegt falsch: Von E-Mails, Kontakten und Terminen mal abgesehen, werden damit nur Metadaten (also witzigerweise genau die, mit denen Google sein Geld verdient) gesichert.

Die Fülle an informationen variiert mit dem Nutzer und seinem Nutzungsverhalten.

Fest steht für mich, dass so ein Google-infested Phone eine wahre Plage ist. Also: Zeit für den Kammerjäger!

Randbemerkung: Komme mir gerade vor wie Men in Black Agent J vs. Edgar. 😉