Was weiß Google alles über dich?

Zuletzt aktualisiert am 01.05.2022

Bevor du anfängst, dein Smartphone (oder ein ähnliches Gerät) und am besten gleich deinen ganzen Lebensstil zu entgooglen, solltest du dir ruhig noch einmal einen Überblick darüber verschaffen, was Google eigentlich alles über dich weiß – natürlich nur so weit wie Google dich lässt. Gehe dazu beispielsweise auf google.de und melde dich oben rechts unter Anmelden an. Klicke an der gleichen Stelle auf das Icon und dann auf Google-Konto verwalten.

Die Menüführung ist intuitiv und benutzerfreundlich. Halte dir immer vor Augen: Dir wird nur suggeriert, dass du hier die Kontrolle hättest, letztendlich steht aber jede Information, die du hier abrufen kannst, auch Google zur Verfügung und darüber hinaus noch sehr viel mehr (die Mehrheit der Websites im www benutzt schließlich Google-Analytics, um das Verhalten ihrer Besucher auszuwerten). Je nachdem wie (un-)umsichtig du beim Umgang mit deinem Google-Konto und den zahlreichen Google-Anwendungen warst, ist das mehr oder weniger viel. Wenn du dich fühlen möchtest wie George Orwells Winston Smith aus “1984” oder das beklemmende Gefühl beim Lesen von Dave Eggers’ “The Circle” wiedererwecken möchtest, bist du hier richtig.

Spaß macht es allerdings nicht. Die Verwaltung eines Google Kontos ist so designt, dass man schon nach kurzer Zeit, die Lust verliert, sich durch die verschiedenen Ebenen zu klicken und lieber darauf vertraut, dass Google auf die persönlichen Daten aufpassen wird. Solche Designentscheidungen, die Nutzende zu Handlungen zu verleiten, die deren Interessen entgegenlaufen, werden als Dark Patterns oder auch Deceptive Design bezeichnet. (Natürlich sind die furchtbaren Fünf – Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft – Meister dieser Disziplin. Hier geht es zur Hall of Shame von Deceptive Design (ehemals darkpatterns.org).

Übersicht

In der Übersicht deines Google-Kontos empfiehlt es sich vor allem, den Privatsphärecheck durchzuführen. Falls nicht schon geschehen, kannst du hier

    • die Speicherung deiner Web- und App-Aktivitäten pausieren
    • die Speicherung deines YouTube-Verlaufs pausieren
    • personalisierte Werbung deaktivieren
    • mehr oder weniger entscheiden, welche Profilinformationen andere sehen dürfen
    • festlegen, wer deine gespeicherten YouTube-Playlists und -Abos sehen kann

Eine Übersicht im Sinne einer bestimmte Zusammenhänge wiedergebenden, knappen Darstellung findet sich allerdings weder hier noch sonst irgendwo in deinem Google-Konto. Die Möglichkeit, die Weitergabe deiner privaten Informationen abzulehnen, wird damit verschleiert oder verzögert – eine Methode, die nach Facebooks CEO Marc Zuckerberg als Privacy Zuckering bezeichnet wird.

Persönliche Daten

Hier findest du persönliche Informationen und Optionen für deren Verwaltung. Es empfiehlt sich, so wenig Informationen wie möglich anzugeben. Außerdem muss bis auf die E-Mail-Adresse und die Telefonnumer, die ggf. beim Erstellen des Kontos verwendet wurden, nichts der Wahrheit entsprechen.

Daten und Datenschutz

Allein die Bezeichnung ist ein Witz, aber schön suggestiv. Als ob Google auch nur einer einzigen Person dabei helfen würde, ihre Daten zu schützen!

1) Aktivitäten und besuchte Orte

Allein unter Web- und App-Aktivitäten kann sich eine Vielzahl an Informationen verbergen, wie ich am Beispiel einer einzigen Google-App, dem Google Play Store, kurz veranschaulichen möchte. Wähle dazu das Play Store Icon aus:

    • Unter Verlauf protokolliert Google, wann du nach welcher App gesucht hast.
    • Unter Steuerung findest du Optionen, die du erst deaktivieren musst, damit Google weniger Daten über dich sammelt, sogenannte Opt-Out-Optionen (Nutzerfreundlicher und darüber hinaus auch DSGVO-konform wären Opt-In-Optionen, Optionen also, die du erst aktivieren musst, damit Google Informationen über dich sammeln darf.)
    • Unter Mehr schließlich geht der Spaß erst los: Hier protokolliert Google folgendes:
      • deine Spiele-Aktivitäten
      • deine Filme & Serien-Aktivitäten
      • dein Bücher – Feedback
      • deine Mediathek
      • deine Interessen und Benachrichtigungen
      • deine Stadia-Store-Aktivitäten

Mit jeder(!) Google-App sammelt Google Unmengen an Informatione über dich. (Da gar nicht immer klar ist, ob eine App von Google ist oder nicht, gehe ich im nächsten Artikel kurz darauf ein.)

Darüber hinaus gibt  es noch die Kategorien Standortverlauf und YouTube-Verlauf. (Als ich den Standortverlauf das letzte Mal aktiviert hatte, wusste Google, wo ich in meinem Urlaub wohnte, wen ich regelmäßig besuchte und welche öffentliche Toilette ich benutzte.)

2) Informationen, die du mit anderen teilen kannst

bzw. mitunter auch einfach teilst, bis du es deaktivierst (Opt-Out).

Hier sind Informationen aufgeführt, die ggf. “für alle Personen sichtbar [sind], die mit Ihnen kommunizieren oder sich Inhalte ansehen, die Sie in Google-Diensten erstellen.”, z.B. der Standort oder das Profil.

      • Name: “Diese Informationen sind für alle Personen sichtbar, die mit Ihnen kommunizieren oder sich Inhalte ansehen, die Sie in Google-Diensten erstellen.” – kann nicht deaktiviert werden
      • Profilbild (wird standardmäßig geteilt)
      • Geschlecht
      • Geburtstag
      • Kontaktdaten wie z.B. E-Mail-Adresse: “Diese Informationen sind für alle Personen sichtbar, die mit Ihnen kommunizieren oder sich Inhalte ansehen, die Sie in Google-Diensten erstellen.” – kann nicht deaktiviert werden
      • Infos wie Wohnorte, Links und Info
      • Beruf und Ausbildung

Auch hier gilt wieder: Es empfiehlt sich, so wenig Informationen wie möglich anzugeben. Außerdem muss bis auf die E-Mail-Adresse und die Telefonnumer, die ggf. beim Erstellen des Kontos verwendet wurden, nichts der Wahrheit entsprechen.

3) Daten aus Apps und Diensten, die du nutzt

Obwohl ich schon kurz nach der Einrichtung alle Google Apps, bis auf den PlayStore deaktiviert hatte, finden sich bei Apps und Dienste nicht nur Einträge zu Google Play, sondern auch zu Gmail und dem Google Kalender. Bei dir sind es ggf. noch viel mehr. Diese Einträge umfassen u.a.:

    • alle Apps, die du über den PlayStore heruntergeladen und installiert hast
    • alle E-Mails, die du mit Gmail verarbeitet hast
    • alle Termine/Erinnerungen, die du mit dem Google Kalender verwaltet hast

Jede weitere Google App, die du nutzt (Google Kontakte, Google Chrome, Google Drive, Google Maps, Google Photos usw., usf.) wird dir hier mit einer Fülle an Informationen aufwarten.

4) Weitere Optionen

Hier kannst du dein Google-Konto löschen :-))) – aber dazu später mehr.

Sicherheit

Hier bekommst Du zahlreiche Möglichkeiten angeboten, Dein Konto zu “schützen”, indem Du noch mehr Informationen preisgibst. Allerdings erhält Google davon meiner Meinung nach schon bei jedem Login mehr als genug. Überprüfen kannst du das unter Geräte verwalten, und dann beim gesuchten Gerät unter weitere Informationen. Mit dem simplen Vorgang des Einloggens erhält Google bereits sieben (für dich einsehbare) Informationen:

Folgende Informationen zu meinem Login zeigt der Screenshot:

    • Art des Gerätes (hier angegeben als Notebook, bei einem Smartphone werden auch noch Hersteller und Modell ausgegeben)
    • Betriebssystem (hier angegeben als Windows)
    • zur Anmeldung verwendeter Browser (hier angegeben als Firefox)
    • Standort bei der Anmeldung (hier angegeben als Frankreich)
    • vergangene Zeit seit der ersten Anmeldung auf diesem Gerät (hier angegeben als “vor 12 Minuten”)
    • letzter verwendeter Standort (hier angegeben als Frankreich)
    • vergangene Zeit seit letztem verwendeten Standort (hier angegeben als “vor 7 Minuten”)

Vorgeblich sollen uns alle diese Informationen helfen, einen unerwünschten Login zu erkennen und das entsprechende Gerät abzumelden …

Dank Orbot und Tor-Browser, mit dem sich solche und ähnliche Daten effizient verschleiern lassen, sind die einzigen korrekten Informationen die Art des Gerätes und die beiden Zeitfenster. (In einem anderen Beitrag beschreibe ich kurz, wie man den Tor-Browser auf dem PC bzw. dem Smartphone installiert und einrichtet.)

Kontakte & Teilen

Google besitzt tatsächlich die Abgebrühtheit diesen Teil deines Google Konto mit “Ihre Familie auf Google” zu beginnen. Abhängig von deinen Einstellungen finden sich hier Kontakte, Kontaktdaten, Kontaktinformationen und vieles mehr aus den Google Apps. (Wenn diese Perspektive noch nicht gruselig genug ist, stelle dir vor, du würdest das Google-Konto eines Familienmitgliedes oder Freundes betrachten und hier Informationen zu dir finden.)

Zahlungen und Abos

Hier findest du ggf. Zahlungsinformationen, Transaktionen, wiederkehrende Zahlungen, Reservierungen u.ä.m.

Was Google aus all diesen direkten und indirekten Informationen über dich ableiten kann, weiß nur Google.

Fest steht für mich, dass so ein Google-infested Phone eine wahre Plage ist. Also: Zeit für den Kammerjäger!