Foxconn

"Wenn die Produktion irgendeiner Ware auf Kosten menschlichen Lebens geht, dann sollte die Gesellschaft auf diese Ware verzichten, nicht aber auf dieses Leben." Emma Goldman

Eigentlich wollte ich heute endlich meine Meinung zu Apple schreiben. Dass ich mit meiner Recherche beim Zulieferer Foxconn angefangen habe, ist naheliegend. Dass ich gar nicht mehr aufhören konnte, lässt nichts Gutes ahnen.  Denn im Gegensatz zu Amazon, Google und Facebook ist Foxconn nicht offensichtlich und trotzdem überall.

Obwohl ich ein ziemlich schlechtes Gedächtnis habe bzw. noch nicht herausgefunden habe, nach welchem verqueren Prinzip es funktioniert, gibt es Nachrichtenberichte, die mir vor meinem inneren Auge stehen, als wäre es gestern gewesen. Als Saddam Husseins Truppen 1991 die Ölfelder Kuwaits in Brand steckten war ich 11 Jahre alt. 10 Jahre später lassen al-Qaida Terroristen entführte Flugzeuge ins World Trade Center krachen. Als 2008 die Bankenkrise beginnend mit der Pleite der Lehmann Brothers Investmentbank schockwellenartig um den Globus ging war ich noch amüsiert, als 2011 die Welle der Bankenrettung folgte empört. Als es im gleichen Jahr in Fukushima zur nuklearen Katastrophe kam, war mein Weltempfinden ziemlich apokalyptisch. Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Keine dieser Schlagzeilen hat sich wiederholt. Ganz anders mit den Berichten über Suizide bei Foxconn.

Im Zusammenhang mit Foxconn und den Selbstmord(versuch)en seiner Arbeiter ist fast ausschließlich von Apple die Rede. Verständlich, wenn man berücksichtigt, das Apple den größten Teil zu Foxconns Umsatz beisteuert (für 2013 schätzten Analysten den Anteil auf 40%). Verständlich ja. Richtig nein. Zu den Großkunden von Foxconn zählen unter anderem Hewlett-Packard und Nintendo.

Exkurs:
Wie unglaublich subjektiv doch die Wahrnehmung sein kann. Ich wusste, dass beim Apple-Zulieferer Foxconn Arbeiter Suizid begingen. Ich wusste, dass beim Nintendo-Zulieferer Foxconn frühzeitig Infos zur Hybridkonsole Switch bekannt wurden. In meiner Wahrnehmung waren das tatsächlich verschiedene Foxconns.  Aber nein, es ist natürlich ein und dasselbe Foxconn. Dasselbe Foxconn, von dem 2012 bekannt wurde, dass es die Wii U für Nintendo von Kindern anfertigen ließ. Die Bewertung, was schlimmer ist, Kinderarbeit oder Erwachsenensuizid, spar’ ich mir. Jedenfalls ist Nintendo seit Abschluss seiner Nachforschung zur Kinderarbeit und Foxconns Abschaffung derselben aus den Negativschlagzeilen (im Zusammenhang mit Foxconn) raus.

Nicht so Foxconn selbst. Die Schlagzeilen über angedrohte, versuchte und endgültige Suizide reißen trotz Foxconns Gegenmaßnahmen nicht ab.  Das Unternehmen verpflichtete seine Arbeiter dazu, sich nicht selbst zu töten, und spannte Netze, wo Arbeiter bevorzugt von Gebäuden sprangen. Schließlich wurden sogar die Löhne erhöht, der Standort infolge der gestiegenen Kosten allerdings geschlossen.

Wissen Sie eigentlich für wen Foxconn alles produziert?! Acer, Amazon, Apple, Dell, GoogleHewlett-Packard, Intel, Microsoft (auch hier haben 2012 150 Arbeiter mit Suizid gedroht), Motorola, Nintendo, Nokia, Sony, Toshiba, Samsung, um nur die bekanntesten Auftraggeber zu nennen.

Nicht immer ist eine Produktion bei Foxconn gleichbedeutend mit Kinderarbeit und Suizid(versuch)en. Vor dem Kauf des nächsten Elektronikgerätes sollte man aber trotzdem eine Suchanfrage „Foxconn Hersteller xyz” ausführen, um zu sehen, ob man nicht gerade wieder die Katze im Sack, den Wolf im Schafspelz oder eben ein fragwürdiges Foxconn-Produkt kauft.