Karton, Beutel oder Flasche?

Den Beitrag schreibe ich wohl vor allem für mich selbst. Wir haben – wie wahrscheinlich viele deutsche Haushalte – drei Mülleimer: gelbe Tonne, Biotonne, Restmüll und dazu noch eine Ecke für Altpapier und Glas. Über den Sinn oder Unsinn der Mülltrennung ist man sich zwar nicht einig, aber um die Trennung des Mülls soll’s hier auch gar nicht gehen. Fakt ist folgendes: Das Behältnis für den Verpackungsmüll ist etwa doppelt so groß wie die beiden anderen und doppelt so schnell voll. Und ich finde, im Gegensatz zu den anderen glotzt es mich auch noch vorwurfsvoll an. Ein oberflächlicher Blick reicht, um die Hauptverursacher dieser unschönen Fülle zu identifizieren: Tetra Paks von H-Milch und Joghurtbecher. Okay, Joghurt ist schnell im Glas gekauft, aber haltbare Milch?

Nein. Hier muss ich mich zwischen Milch in der Glasflasche, die weniger lange haltbar ist, und Milch im Tetra Pak, die lange haltbar ist, entscheiden. Milch im Tetra Pak ist leicht, im Falle von H-Milch lange haltbar, gut lagerbar und preiswert. Milch in der Glasflasche hat dafür eine bis zu 50 Mal wiederverwendbare Verpackung und ist gesünder, weil Glas keine Chemikalien an die Milch abgibt. Die persönlichen Nachteile: Wir müssten öfter einkaufen, mehr bezahlen und schwerer tragen. Und da ist sie wieder, die Bequemlichkeit! Warum hab’ ich die Welt noch nicht gerettet?  Weil ich zu faul bin! Klingt hart, ist mit Sicherheit übertrieben und trotzdem im Kern wahr. Das Geldargument nämlich lasse ich zumindest in unserem Haushalt nicht gelten. Was ich auf der einen Seite bei der Milch spare, werfe ich auf der anderen Seite ja doch zum Fenster raus. Also kaufe ich jetzt nur noch Milch in der Glasflasche? Nein. Ich bin nicht zufrieden und suche weiter. Und lande bei einer modernen Version des Milchbeutels, nämlich dem aus Ecolean: Der besteht zu 60% aus Kunststoff, zu 40% aus Kreide und soll den Verpackungsmüll im Vergleich zu Tetra Paks um bis zu zwei Drittel reduzieren. Angeboten wird die Milch im Ecolean-Beutel zum Beispiel vom Ökodorf Brodowin. Wir würden also im selben Atemzug auf Bio-Milch umsteigen. Wir müssten zwar immer noch öfter einkaufen und mehr bezahlen, aber nicht schwerer tragen. Weil wir einkaufen gehen (2 km hin, 2 km zurück), ist das schon ein Argument. Für mich persönlich klingt das nach einem guten Kompromiss. Also: Auf in den Selbstversuch! Und wehe der Mülleimer glotzt nächste Woche immer noch so vorwurfsvoll.

[Nachtrag vom 28.4.18]

57 g Tetra Pak im Vergleich zu 16 g Ecolean

(Dazu kommt noch der Umstieg auf Joghurt-Pfandgläser und schon glotzt der Mülleimer tatsächlich weniger vorwurfsvoll.)